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七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

Ich habe den Fuji bestiegen

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Der Titel nimmt im Grunde schon alles vorweg: Ich habe vorgestern den Fuji bestiegen. Und ganz ehrlich, ich kann nicht recht in Worte fassen was das für eine Erfahrung war, aber ich werde es trotzdem mal versuchen.

Ich habe Nagoya am Nachmittag verlassen. Mit dem Shinkansen ging es dann erst einmal nach Mishima (90 Minuten Fahrt, kostet in eine Richtung ca. ¥4000, aber mit dem Japan Rail Pass kann man ja Shinkansen fahren) und das war schon einmal großartig, denn ich bin noch nie Shinkansen gefahren (habe aber immer davon geträumt). Der Zug war sehr geräumig und bequem und man fühlt kaum etwas während man durch Japans wunderschöne Landschaft düst. Von Mishima aus habe ich dann den Fuji Kyuko Bus zum Bahnhof Kawaguchiko genommen (60 Minuten Fahrt, kostet in eine Richtung ¥2100) und von da aus dann den Bus zur fünften Bergstation des Fuji (55 Minuten Fahrt, Hin- und Rückfahrt kosten zusammen ¥2100). In diesem Bus habe ich dann auch meine ersten neuen Freunde gefunden – eine Gruppe von jungen Frauen die auch geplant hatten, den Fuji bei Nacht zu besteigen. Wir haben uns schnell zusammen geschlossen und darauf geeinigt zusammen zu wandern.

An der fünften Bergstation haben ich mir dann auch den berühmten Fuji-Wanderstock gekauft (mittlere Größe, kostet: ¥1300) und habe den „Eintritt“ für den Fuji bezahlt, der bei ¥1000 liegt. Also warum schreibe ich überall hin wie viel ich bezahlt habe? Weil mein Budget pro Tag eigentlich bei ¥2600 liegt und dieser Ausflug hat sowas von den Rahmen gesprengt. Der Fuji ist teuer und darauf war ich nicht vorbereitet, deswegen schreibe ich hier darüber, damit ich vielleicht jemand der in Zukunft hinauf steigt besser vorbereiten kann.

Also dann, gegen acht Uhr abends, ging es endlich los. Oh man. Wir haben uns dafür entschieden die Yoshida Route zu nehmen, da überall zu lesen ist, dass die Yoshida Route die einfachste und machbarste ist. Die Sonne war bereits untergegangen (also bring auf jeden Fall eine Stirnlampe mit, wenn du den Fuji besteigst!) und da es keine Bäume auf dieser Höhe gab, konnten wir die atemberaubende Aussicht über Kawaguchiko und Fuji-san Stadt bei Nacht genießen. Die sechste Bergstation haben wir dann auch locker flockig nach einer Stunde erreicht und es schien noch sehr einfach und es war noch nicht mal sonderlich kalt, deswegen waren wir alle sehr zufrieden mit uns selbst. Wir waren solche Idioten. Wir sind dann auch schnell weiter und nach der sechsten Station macht der Pfad eine Kurve und man wird mit der ersten Treppe konfrontiert und das ist der Punkt an dem man realisiert, dass man einen großen Fehler gemacht hat. An der sechsten Station habe ich mir außerdem die erste Marke in meinen Wanderstock brennen lassen (kostet ¥300).

Wir haben dann ungefähr 80 Minuten zur siebten Bergstation gebraucht und das war der Punkt an dem ich angefangen habe zu frieren. Ich habe mir für ¥300 ein paar Handschuhe gekauft, während sich die anderen etwas zu Essen gekauft haben und wir haben uns alle in die Station verkrochen um uns aufzuwärmen. Problem: Ich habe mir nichts zu essen gekauft, also hat man mich schnell aus der Station geworfen (es war sehr teuer, selbst was zu Trinken hat an die ¥600 gekostet und ich war absolut nicht hungrig). Ich habe den anderen gesagt dass ich draußen warte, aber ich begann sehr schnell zu frieren und zu zittern und sie haben sich echt Zeit gelassen mit dem Essen, also habe ich sie dort zurück gelassen (weil ich ein Arschloch bin) und mich zwei Belgiern angeschlossen. Ihre Namen waren Abdil und Frédéric und wir haben uns sofort super verstanden.

Abdil, Fred und ich sind dann in einem stetigen Tempo weiter bis zur achten Station geklettert, was unglaublich viel Zeit gedauert hat und ich habe ¥1000 in weitere Brandmarken investiert. Der Weg von der siebten zur achten Station war das Schlimmste. Es hat mich mehr an Freiklettern (oder Stiege wie im Elbsandsteingebirge) erinnert als an Wandern. Also solltest du den Fuji eines Tages besteigen, dann packe nicht zu viel ein, denn du musst auch sehr viel klettern. Ich habe auch ein bisschen bereut mir den Wanderstock gekauft zu haben, da es das Klettern erschwert hat, aber es war dann doch machbar.

Als wir dann endlich an der achten Station angekommen waren, waren wir todmüde. Fred war der fitteste unser Gruppe und ging immer ein Stück voran, während ich nicht weit hinter ihm folgte und Abdil hinter uns ein bisschen zurück blieb. An jeder Hütte hat Fred auf mich und Abdil gewartet bevor er weiter geklettert ist. Zu diesem Zeitpunkt war mir dann auch bewusst, dass es eine gute Idee war mich den beiden anzuschließen, da unser Tempo ziemlich gut zusammen gepasst hat und wir uns richtig gut verstanden haben, was auch sehr wichtig ist wenn du einen Berg besteigst der fast 4000m hoch ist.

Der Stieg zur neunten Station dauerte eine Ewigkeit. Abdil blieb immer weiter zurück und ich konnte meine Füße nicht mehr richtig spüren wegen der Anstrengung und der Kälte. Irgendwann waren wir alle so fertig, dass wir uns entschieden haben etwas Geld in Essen zu investieren um in einer Hütte Unterschlupf zu finden (obwohl wir selbst genug Essen dabei hatten). Wir haben uns Instant-Mais-Suppe in einem Plastikbecher für ¥500 gegönnt und durften 15 Minuten in der Hütte bleiben. Abdil hat in der Zeit ein kurzes Nickerchen gemacht und Fred hat mir einen seiner extra Pullover gegeben, da ich schon all meine Klamotten an hatte und immer noch gefroren habe. Er hat mir auch ein Paar seiner Hosen angeboten, aber ich habe nicht rein gepasst, weil er dünne Hühnerbeine hat und ich nicht.

Es war bereits vier Uhr morgens als unsere kurze Pause endete und die Sonne sollte gegen fünf Uhr aufgehen, weshalb wir uns den letzten Teil der Strecke wirklich hinauf kämpfen mussten um es noch zu schaffen. Und verdammt haben wir gekämpft. Fred ist wieder vor uns los gesprintet und ich konnte mich nur noch auf den nächsten Schritt konzentrieren. Abdil und ich sind eine Weile zusammen gelaufen, doch an einem Punkt hat er sich einfach hingesetzt und seinen Rucksack umarmt und gesagt, dass ich ohne ihn weiter gehen soll, was ich dann auch getan habe (und wieder, weil ich ein Arschloch bin).

Ich war also allein und konnte den Gipfel bereits sehen. Es hatte sich eine lange Menschenschlange gebildet, da alle den Gipfel vor dem Sonnenaufgang erreichen wollten. 200 Meter vor dem Gipfel waren dann auch schon Mitarbeiter die allen Wanderern zugerufen haben: „nur noch 200 Meter! Wenn ihr jetzt weiter klettert ohne anzuhalten, dann schafft ihr es noch bis zum Sonnenaufgang! Kämpft weiter! Es sind nur noch 30 Minuten! Ihr schafft das!“ Aber alles an was ich denken konnte, war wie schön sich ein warme Dusche doch anfühlen würde. Es waren nur noch knapp hundert Meter bis zum Gipfel, als der Himmel langsam begann sich rot zu färben. Ich habe mir an diesem Punkt gedacht: „nein. Du bist nicht neun Stunden diesen Berg rauf geklettert um dann 100 Meter vor der Spitze aufzugeben“, also bin ich mit meiner letzten Kraft los geeilt und habe den Gipfel erklommen. Ich habe mich hingesetzt, meine Kamera gezückt und das war der Moment, in dem die Sonne aufging. Das war außerdem der Moment in dem ich angefangen habe zu weinen. Nach drei Jahren bin ich endlich wieder in Japan und nach einem halben Jahr Planung und Training, habe ich, ein kleiner schwacher asthmatischer Streber, es dann tatsächlich auf die Spitze des Fuji geschafft. Das hat mich überwältigt und deswegen saß ich dort einfach nur und habe still geweint während die Sonne aufging.

Nachdem die Sonne aufgegangen war, habe ich mich dann auf die Suche nach Fred gemacht und ihn auch schnell gefunden. Wir haben uns angegrinst wie zwei Idioten und glücklich umarmt. Wir haben es geschafft. Danach haben wir uns erschöpft ans Geländer gestellt und die Aussicht genossen während der Himmel sich langsam blau färbte. Nach weiteren zwanzig Minuten stieß dann auch Abdil zu uns, zusammen mit einer der Frauen die in meiner ersten Wandergruppe war, und wir haben uns auch alle stolz und glücklich umarmt.

Ich habe mir dann noch die spezielle Sonnenaufgangs-Brandmarke für meinen Wanderstock für ¥400 gekauft und dann haben wir uns den Vulkan-Krater angesehen. Mit den ersten Sonnenstrahlen kam dann auch, zum Glück, sehr schnell Wärme zu uns und das habe ich echt gebraucht, denn mein ganzer Körper zitterte schon und meine Fingerspitzen hatten eine bläuliche Färbung angenommen.

Lange sind wir nicht auf dem Gipfel geblieben, wir sind auch nicht um den Krater gelaufen (was noch einmal eine Stunde gedauert hätte), weil wir zu müde und erschöpft waren. Abdil, Fred und ich sind dann gemeinsam zur fünften Station zurück gekehrt. Der Weg nach unten war ein anderer als der nach oben und wir brauchten ungefähr vier Stunden und wieder anzukommen. Der Abstieg war sehr rutschig und ich bin auch zwei mal hingefallen. Gegen 10 Uhr waren wir dann wieder an der fünften Station. Wir haben uns schnell was zu essen gekauft und dann haben wir gemeinsam den Bus nach Kawaguchiko genommen. Die Jungs sind dann auch sofort eingeschlafen, aber komischerweise fühlte ich mich gar nicht müde.

In Kawaguchiko haben wir uns dann verabschiedet und versprochen das wir in Kontakt bleiben und auch Witze darüber gerissen, dass wir uns von nun an jedes Jahr in Japan treffen und den Fuji besteigen. Es war vielleicht kraftraubend, aber es war es auf jeden Fall wert. Wahrscheinlich werde ich es sogar noch einmal tun. Weil ich ein Idiot bin.

2 Kommentare

  1. haha, weil du ein arsch bist, haha weil du ein idiot bist!!! haha weil du astma hast! <3
    aber ich bin wahnsinnig stolz auf dich., Ich meine, ich kann mir sicher nicht mal ansatzweise vorstellen, wie anstrengend der Aufstieg gewesen ist, aber der Post ist so emotional geschrieben, ich kann mich richtig rein fühlen! <3333333 v.a. ein vorbild, dass man schaffen kann, was man will, egal wie unwirklich es erst scheint und wie wenig man sich eigentlich zutraut! *___*

    Genieße deine Zeit in Japan, ich denk an dich! :*

    • Hey Rosalie <3

      Ich mag vielleicht ein Arschloch sein, und ein Idiot, und ein Asthmatiker, aber ich habe auch den Fuji bestiegen 😉

      Danke für deinen Kommentar, bedeutet mir unglaublich viel wenn jemand auf meine Posts reagiert <3

      Ich denke auch an dich :*

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