KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

Freitag, der 1. Juni 2018
von Kay Safonov
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2018年06月01日

Reiß meinen Brustkorb auf

Ich fühlte mich, als könnte ich jeden Augenblick meinen Brustkorb aufreißen, weil genau dort, in der Mitte meiner Brust, eine dunkle Leere war, die mir Schmerz zufügte. Es schmerzte so sehr. Ich fühlte mich, als würde ich ersticken.

Es fühlte sich nicht schwer an, ganz im Gegenteil, trotzdem erstickte es mich. Das Gefühl kroch mir die Kehle hoch und brachte mich fast dazu auf dem Heimweg im Bus zu weinen. ‚Ich sterbe’, dachte ich mir, ‚ich sterbe und all die Menschen um mich herum, sind sich dessen nicht bewusst’.

Ich fühlte mich, als könnte ich meinen Brustkorb aufreißen. Als könnte ich jeden einzelnen Knochen brechen, der diese Leere in mir gefangen hielt.

Es war gebrochenes Herz, doch ich verstand nicht, ich konnte nicht begreifen, warum mein Herz erneut brach. Alles was ich wusste, war dass ich erstickte und dass ich starb und dass niemand etwas davon wusste.

Dienstag, der 8. Mai 2018
von Kay Safonov
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2018年05月07日

Leinwände und Künstler

Ich mag das Wort Leinwand, aber Canvas gefällt mir trotzdem lieber. Vielleicht liegt es daran, dass das Wort ‚Canvas‘ nach etwas Lebendigem klingt, während eine Leinwand zweifelsohne etwas Sachliches ist. Deutsch macht das nun einmal mit Wörtern – gibt Gegenständen Geschlechtern und lässt sie im gleichen Augenblick sterben. Die Leinwand ist weiblich und instinktiv wird der Canvas männlich. Gegenständen Geschlechter zuzuordnen ist ein Tick den Deutsch hoffentlich eines Tages los wird.

Was für 1 Canvas, so lebendig, so unbeschreiblich.

Was für 1 Künstler, so depressiv, so kreativ.

So einfach ist das. Vielleicht lachen einige darüber, aber auch die Sprache ist etwas Lebendiges und grammatikalische Regelungen wandelbar. In zehn Jahren wird hoffentlich niemand mehr drüber lachen.

Es geht mir schlecht heute. Ich schreibe viel an Tagen an denen es mir schlecht geht, denn so viele Gedanken schwirren durch meinen Kopf und ersticken mich. Ich kann nicht mehr atmen. Meine Brust verengt sich. Wenn ich Bekannten sage, dass ich darauf warte, dass ein Bus mich überfährt, ist es nur zur Hälfte als Scherz gemeint. Die andere Hälfte in mir, hätte nichts dagegen wenn mich ein Bus überfährt und das sollte ein verdammt furchteinflössender Gedanke sein, doch das ist er nicht. Nicht für mich.

Als ich mir heute Nachmittag meine schwarze Robe umgeworfen hatte und mich mit meinem Mp3-Player nach draußen wagte, da sah ich meinen Schatten. Und als ich meinen Schatten sah, da erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ein Künstler war. Manchmal vergaß ich das. Oft vergaß ich das. Zwischen Tabletten und Studium und Leere, so viel Leere, vergaß ich mich oft selbst. Daniel Armand Lees Stimme war das Einzige was ich hörte und ich hörte seine Stimme tief in meinem Herzen, in einem dunklen, verborgenen Winkel. Selbst wenn ich zur Uhr blicke, habe ich keine Zeit mehr. Lebewohl, jetzt. Ich tapste durch die Gegend, stolperte, tapste weiter, während Tablos Stimme aus meinem Herzen schrie. Selbst wenn ich auf den Kalender schaue, habe ich keine Erinnerungen mehr. Ein halbes Jahr war vergangen und ich erinnerte mich an nicht viel. Wirklich nicht viel. Vielleicht ein paar Stunden von ein paar Tagen. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich fand mich in einem Supermarkt wieder und dachte darüber nach, dass ich ein Künstler war. Für einen Augenblick fühlte ich den rauen Stoff eines Canvas unter meinen Fingerspitzen. Ich roch die Acrylfarbe. Meine Arme waren voll bunter Spritzer. Ich atmete frei, ohne dass mich etwas erstickte. Erst in dem Augenblick merkte ich, wie sehr mich alles erstickte. Besonders das Studium. Es erstickte mich. Es erstickte mich und ich war vielleicht ein Künstler, aber ich war auch im Supermarkt ohne Farbe und ohne Canvas. Ich habe Angst davor, ein Buch zu sein, dass niemand liest. Musik, die niemand mehr hört. Ich habe Angst davor zurück gelassen zu werden, wie ein Film in einem leeren Kinosaal.

Der Weg nach Hause dauerte weniger als fünf Minuten, doch ich schaffte es dennoch mindestens sieben Identitätskrisen zu haben. Was tat ich hier? Ja, was… Was zur Hölle tat ich hier? Ist das wirklich mein Leben? Mein Leben mit dem ich eines Tages vielleicht glücklich werden soll? Eigentlich hatte ich mir nach der Klinik vorgenommen, mich nur noch auf Sachen zu konzentrieren die mich erfüllten. Denn ich brauchte dringend etwas, dass diese Leere füllte und heute habe ich gelernt, dass eine Person diese Leere nicht allein füllen konnte. Selbst wenn ich auf mein Handy blicke, habe ich keine Beziehungen mehr. Selbst wenn ich in den Spiegel blicke, habe ich kein Vertrauen mehr.

Zuhause angekommen war es schwer zu atmen. Ich ging sofort in die Knie und umarmte meinen eigenen Körper. Fuck. Verdammte Scheiße. Mal wieder hier, am Boden. Der Künstler, in Wirklichkeit ein Krieger, am Boden. Wieder am Boden.

Letzte Woche noch meinte ich, wir sind lebende, atmende Kunst. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.

Dienstag, der 8. Mai 2018
von Kay Safonov
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2018年04月27日

Schwebend über den Asphalt

Ich hatte dieses Gefühl vermisst.

Es war eines dieser Gefühle, von denen ich gar nicht wirklich realisiert hatte, dass ich es vermisst hatte. Von November an, waren es nur das Venlaflaxin und ich. Es nahm mir den Schmerz und Atmen wurde wieder leichter im selben Maße, während meine Gefühle allmählich abflachten und ehe ich es mich versah, fühlte ich nichts mehr.

Im Februar, in der Psychiatrie, setzten sie das Venlaflaxin schließlich ab und ich konnte mich nicht mehr kontrollieren. Ich heulte und mein Herz schmerzte so sehr, dass ich endlich begriff, wieso man wirklich an gebrochenen Herzen sterben konnte. Schließlich begann ich eine neue pharmazeutische Beziehung. Burpropion, Trazodon und Promethazin – wir sind ein unaufhaltsames Quartett.

Nun war es April, fast Mai, und endlich wieder angenehm warm draußen. Ich wohnte für zwei Wochen in einem kleinen Ort hinter Siegburg und hütete Katzen, ein Haus und ein Auto. Nachdem ich angekommen war, kochte ich mir etwas zu Essen und verbrachte eine Stunde mit den Katzen im Garten. Überall roch es nach dem blühenden Flieder, dessen Zeit endlich gekommen war und ich schloss meine Augen und fühlte für einen Augenblick nur die Sonne auf meiner Haut.

Am Abend fuhr ich mit dem Wagen nach Bonn zum Training und zum ersten mal, seit langer Zeit, scheute ich mich nicht davor, fürchtete ich mich nicht davor, zum Training zu gehen. Bisher waren Freitagabende immer mit aufkommender Panik verbunden. Ich machte mit, ich lachte und scherzte und dann schließlich machte ich mich wieder auf den Rückweg.

Und ich hatte dieses Gefühl vermisst.

Es war dunkel draußen und der Himmel war klar. Nachts zu fahren war natürlich ein ganz anderes Gefühlt. Besonders in Bonn. Tagsüber war Bonn Hektik und Stau und verzweifelter Kampf um den letzten Parkplatz, doch nachts… Nachts waren die Straßen fast gänzlich leer und die wenigen anderen Fahrer, fuhren viel entspannter als am Tag. Niemand war in Eile, die Woche war vorüber und ob wir in einer halben oder einer dreiviertel Stunde ankamen, machte keinen Unterschied, denn unsere Betten interessierte es nicht, an welchen Zeitplan wir uns hielten.

Meine Augen waren schon immer lichtempfindlich, doch es kam mir vor, als hätte sich dieser Zustand in den letzten Monaten verschlimmert. Wenn ich am Morgen das Haus verließ, schmerzten meine Augen und erst im Bus fühlte ich mich wieder wohler. Doch nachts auf der fast leeren Autobahn war diese Empfindlichkeit bedeutungslos. Alles sah irgendwie weich aus. Mein Wagen schwebte regelrecht über den Asphalt und auch die Lichter des entgegen kommenden Verkehrs, wirkten warm wie ein lächelndes Winken.

Verdammt, ich hatte dieses Gefühl vermisst.

Der Wagen und ich, wir wurden zu einem Geschöpf. Wir wechselten fließend Spuren, schalteten ohne Stocken und glitten voran. Die Zeit verging, ohne dass ich es wirklich realisierte und plötzlich fuhr ich bereits den Wagen in die Einfahrt. Einen Augenblick später, war der Wagen ruhig und kein Licht umgab mich mehr und ich atmete tief aus und lächelte ganz für mich allein im Auto sitzend. In all den Monaten der Depression, hatte ich tatsächlich vergessen, wie wichtig mir das Autofahren immer gewesen war und wie sehr ich es liebte und nun, da diese Liebe langsam wieder in mein Leben zurückkehrte, würde sicherlich auch die Liebe zum Leben wiederkehren.

Montag, der 11. September 2017
von Kay Safonov
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Ich habe den Fuji bestiegen

Der Titel nimmt im Grunde schon alles vorweg: Ich habe vorgestern den Fuji bestiegen. Und ganz ehrlich, ich kann nicht recht in Worte fassen was das für eine Erfahrung war, aber ich werde es trotzdem mal versuchen.

Ich habe Nagoya am Nachmittag verlassen. Mit dem Shinkansen ging es dann erst einmal nach Mishima (90 Minuten Fahrt, kostet in eine Richtung ca. ¥4000, aber mit dem Japan Rail Pass kann man ja Shinkansen fahren) und das war schon einmal großartig, denn ich bin noch nie Shinkansen gefahren (habe aber immer davon geträumt). Der Zug war sehr geräumig und bequem und man fühlt kaum etwas während man durch Japans wunderschöne Landschaft düst. Von Mishima aus habe ich dann den Fuji Kyuko Bus zum Bahnhof Kawaguchiko genommen (60 Minuten Fahrt, kostet in eine Richtung ¥2100) und von da aus dann den Bus zur fünften Bergstation des Fuji (55 Minuten Fahrt, Hin- und Rückfahrt kosten zusammen ¥2100). In diesem Bus habe ich dann auch meine ersten neuen Freunde gefunden – eine Gruppe von jungen Frauen die auch geplant hatten, den Fuji bei Nacht zu besteigen. Wir haben uns schnell zusammen geschlossen und darauf geeinigt zusammen zu wandern.

An der fünften Bergstation haben ich mir dann auch den berühmten Fuji-Wanderstock gekauft (mittlere Größe, kostet: ¥1300) und habe den „Eintritt“ für den Fuji bezahlt, der bei ¥1000 liegt. Also warum schreibe ich überall hin wie viel ich bezahlt habe? Weil mein Budget pro Tag eigentlich bei ¥2600 liegt und dieser Ausflug hat sowas von den Rahmen gesprengt. Der Fuji ist teuer und darauf war ich nicht vorbereitet, deswegen schreibe ich hier darüber, damit ich vielleicht jemand der in Zukunft hinauf steigt besser vorbereiten kann.

Also dann, gegen acht Uhr abends, ging es endlich los. Oh man. Wir haben uns dafür entschieden die Yoshida Route zu nehmen, da überall zu lesen ist, dass die Yoshida Route die einfachste und machbarste ist. Die Sonne war bereits untergegangen (also bring auf jeden Fall eine Stirnlampe mit, wenn du den Fuji besteigst!) und da es keine Bäume auf dieser Höhe gab, konnten wir die atemberaubende Aussicht über Kawaguchiko und Fuji-san Stadt bei Nacht genießen. Die sechste Bergstation haben wir dann auch locker flockig nach einer Stunde erreicht und es schien noch sehr einfach und es war noch nicht mal sonderlich kalt, deswegen waren wir alle sehr zufrieden mit uns selbst. Wir waren solche Idioten. Wir sind dann auch schnell weiter und nach der sechsten Station macht der Pfad eine Kurve und man wird mit der ersten Treppe konfrontiert und das ist der Punkt an dem man realisiert, dass man einen großen Fehler gemacht hat. An der sechsten Station habe ich mir außerdem die erste Marke in meinen Wanderstock brennen lassen (kostet ¥300).

Wir haben dann ungefähr 80 Minuten zur siebten Bergstation gebraucht und das war der Punkt an dem ich angefangen habe zu frieren. Ich habe mir für ¥300 ein paar Handschuhe gekauft, während sich die anderen etwas zu Essen gekauft haben und wir haben uns alle in die Station verkrochen um uns aufzuwärmen. Problem: Ich habe mir nichts zu essen gekauft, also hat man mich schnell aus der Station geworfen (es war sehr teuer, selbst was zu Trinken hat an die ¥600 gekostet und ich war absolut nicht hungrig). Ich habe den anderen gesagt dass ich draußen warte, aber ich begann sehr schnell zu frieren und zu zittern und sie haben sich echt Zeit gelassen mit dem Essen, also habe ich sie dort zurück gelassen (weil ich ein Arschloch bin) und mich zwei Belgiern angeschlossen. Ihre Namen waren Abdil und Frédéric und wir haben uns sofort super verstanden.

Abdil, Fred und ich sind dann in einem stetigen Tempo weiter bis zur achten Station geklettert, was unglaublich viel Zeit gedauert hat und ich habe ¥1000 in weitere Brandmarken investiert. Der Weg von der siebten zur achten Station war das Schlimmste. Es hat mich mehr an Freiklettern (oder Stiege wie im Elbsandsteingebirge) erinnert als an Wandern. Also solltest du den Fuji eines Tages besteigen, dann packe nicht zu viel ein, denn du musst auch sehr viel klettern. Ich habe auch ein bisschen bereut mir den Wanderstock gekauft zu haben, da es das Klettern erschwert hat, aber es war dann doch machbar.

Als wir dann endlich an der achten Station angekommen waren, waren wir todmüde. Fred war der fitteste unser Gruppe und ging immer ein Stück voran, während ich nicht weit hinter ihm folgte und Abdil hinter uns ein bisschen zurück blieb. An jeder Hütte hat Fred auf mich und Abdil gewartet bevor er weiter geklettert ist. Zu diesem Zeitpunkt war mir dann auch bewusst, dass es eine gute Idee war mich den beiden anzuschließen, da unser Tempo ziemlich gut zusammen gepasst hat und wir uns richtig gut verstanden haben, was auch sehr wichtig ist wenn du einen Berg besteigst der fast 4000m hoch ist.

Der Stieg zur neunten Station dauerte eine Ewigkeit. Abdil blieb immer weiter zurück und ich konnte meine Füße nicht mehr richtig spüren wegen der Anstrengung und der Kälte. Irgendwann waren wir alle so fertig, dass wir uns entschieden haben etwas Geld in Essen zu investieren um in einer Hütte Unterschlupf zu finden (obwohl wir selbst genug Essen dabei hatten). Wir haben uns Instant-Mais-Suppe in einem Plastikbecher für ¥500 gegönnt und durften 15 Minuten in der Hütte bleiben. Abdil hat in der Zeit ein kurzes Nickerchen gemacht und Fred hat mir einen seiner extra Pullover gegeben, da ich schon all meine Klamotten an hatte und immer noch gefroren habe. Er hat mir auch ein Paar seiner Hosen angeboten, aber ich habe nicht rein gepasst, weil er dünne Hühnerbeine hat und ich nicht.

Es war bereits vier Uhr morgens als unsere kurze Pause endete und die Sonne sollte gegen fünf Uhr aufgehen, weshalb wir uns den letzten Teil der Strecke wirklich hinauf kämpfen mussten um es noch zu schaffen. Und verdammt haben wir gekämpft. Fred ist wieder vor uns los gesprintet und ich konnte mich nur noch auf den nächsten Schritt konzentrieren. Abdil und ich sind eine Weile zusammen gelaufen, doch an einem Punkt hat er sich einfach hingesetzt und seinen Rucksack umarmt und gesagt, dass ich ohne ihn weiter gehen soll, was ich dann auch getan habe (und wieder, weil ich ein Arschloch bin).

Ich war also allein und konnte den Gipfel bereits sehen. Es hatte sich eine lange Menschenschlange gebildet, da alle den Gipfel vor dem Sonnenaufgang erreichen wollten. 200 Meter vor dem Gipfel waren dann auch schon Mitarbeiter die allen Wanderern zugerufen haben: „nur noch 200 Meter! Wenn ihr jetzt weiter klettert ohne anzuhalten, dann schafft ihr es noch bis zum Sonnenaufgang! Kämpft weiter! Es sind nur noch 30 Minuten! Ihr schafft das!“ Aber alles an was ich denken konnte, war wie schön sich ein warme Dusche doch anfühlen würde. Es waren nur noch knapp hundert Meter bis zum Gipfel, als der Himmel langsam begann sich rot zu färben. Ich habe mir an diesem Punkt gedacht: „nein. Du bist nicht neun Stunden diesen Berg rauf geklettert um dann 100 Meter vor der Spitze aufzugeben“, also bin ich mit meiner letzten Kraft los geeilt und habe den Gipfel erklommen. Ich habe mich hingesetzt, meine Kamera gezückt und das war der Moment, in dem die Sonne aufging. Das war außerdem der Moment in dem ich angefangen habe zu weinen. Nach drei Jahren bin ich endlich wieder in Japan und nach einem halben Jahr Planung und Training, habe ich, ein kleiner schwacher asthmatischer Streber, es dann tatsächlich auf die Spitze des Fuji geschafft. Das hat mich überwältigt und deswegen saß ich dort einfach nur und habe still geweint während die Sonne aufging.

Nachdem die Sonne aufgegangen war, habe ich mich dann auf die Suche nach Fred gemacht und ihn auch schnell gefunden. Wir haben uns angegrinst wie zwei Idioten und glücklich umarmt. Wir haben es geschafft. Danach haben wir uns erschöpft ans Geländer gestellt und die Aussicht genossen während der Himmel sich langsam blau färbte. Nach weiteren zwanzig Minuten stieß dann auch Abdil zu uns, zusammen mit einer der Frauen die in meiner ersten Wandergruppe war, und wir haben uns auch alle stolz und glücklich umarmt.

Ich habe mir dann noch die spezielle Sonnenaufgangs-Brandmarke für meinen Wanderstock für ¥400 gekauft und dann haben wir uns den Vulkan-Krater angesehen. Mit den ersten Sonnenstrahlen kam dann auch, zum Glück, sehr schnell Wärme zu uns und das habe ich echt gebraucht, denn mein ganzer Körper zitterte schon und meine Fingerspitzen hatten eine bläuliche Färbung angenommen.

Lange sind wir nicht auf dem Gipfel geblieben, wir sind auch nicht um den Krater gelaufen (was noch einmal eine Stunde gedauert hätte), weil wir zu müde und erschöpft waren. Abdil, Fred und ich sind dann gemeinsam zur fünften Station zurück gekehrt. Der Weg nach unten war ein anderer als der nach oben und wir brauchten ungefähr vier Stunden und wieder anzukommen. Der Abstieg war sehr rutschig und ich bin auch zwei mal hingefallen. Gegen 10 Uhr waren wir dann wieder an der fünften Station. Wir haben uns schnell was zu essen gekauft und dann haben wir gemeinsam den Bus nach Kawaguchiko genommen. Die Jungs sind dann auch sofort eingeschlafen, aber komischerweise fühlte ich mich gar nicht müde.

In Kawaguchiko haben wir uns dann verabschiedet und versprochen das wir in Kontakt bleiben und auch Witze darüber gerissen, dass wir uns von nun an jedes Jahr in Japan treffen und den Fuji besteigen. Es war vielleicht kraftraubend, aber es war es auf jeden Fall wert. Wahrscheinlich werde ich es sogar noch einmal tun. Weil ich ein Idiot bin.

Freitag, der 8. September 2017
von Kay Safonov
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Drei Jahre Später

Dienstag war echt seltsam. Ich bin aufgewacht, habe nebenbei meine zwei großen Koffer gepackt, ein bisschen mit Freunden gechattet und bin mit meiner Nachbarin einkaufen gegangen. Es hat sich wirklich nicht angefühlt als ob ich nach Japan fliegen würde. War ich nervös? War ich aufgeregt? Nicht wirklich. Ich war sehr gelassen. Nachdem ich drei Jahre hart auf diesen Tag zugearbeitet habe, konnte ich wirklich nicht glauben dass es endlich soweit war.

Am Nachmittag habe ich mich dann gemächlich auf den Weg gemacht und bin mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen gefahren. Ich bin angekommen, habe sofort meine Koffer gegen meine Boarding Tickets getauscht und hatte noch vier Stunden bis mein Flieger ging, aber die Zeit verging schnell und bevor ich es begriff, war ich an Bord meines Air China Flugs nach Peking. Ich habe den acht Stunden Flug damit verbracht zu lesen, Filme zu schauen und zu schlafen und plötzlich war ich in Peking und die Landung dort war phänomenal. Unser Flugzeug ist vorher noch über die Stadt und die Berge gekreist und da ich vorher noch in China war, war es echt cool alles so aus der Nähe zu sehen.

Ich hatte fünf Stunden Aufenthalt in Peking und es war großartig. Ich habe noch nie zuvor einen so schönen Flughafen gesehen und ich glaube, der lange Aufenthalt dort hat dafür gesorgt, dass ich keinen Jetlag bekommen habe, als ich später in Japan angekommen bin. In Deutschland hatte ich zehn Euro in fünfundvierzig Yuan getauscht und das Geld habe ich in Peking gegen ein kleines Souvenir und etwas erfrischendes zu trinken getauscht. Die Zeit ist schnell vergangen und schon war ich an Bord meines Fluges nach Nagoya. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon fast seit vierundzwanzig Stunden auf den Beinen, deshalb bin ich eingeschlafen kaum saß ich im Flugzeug und als ich wieder aufgewacht bin, waren wir schon fast in Japan.

Als ich das Flugzeug endlich verließ, hat sich ein großes Grinsen auf meinem Gesicht ausgebreitet. Ich habe es geschafft. Ich habe es tatsächlich geschafft! Und alles lief super problemlos ab. Ich habe schnell mein Geld getauscht und bin dann in in Kapsel Hotel am Flughafen eingecheckt (fertig mit Passkontrolle und Zoll war ich gegen zehn Uhr abends). Das Kapsel Hotel war der reinste Wahnsinn! Ich habe meine Koffer in ein Schließfach gepackt, eine lange Dusche genommen und habe mich in meiner Kapsel zufrieden eingekuschelt.

Am nächsten Morgen habe ich dann meinen Bestellschein gegen einen JR Rail Pass getauscht und bin mit dem Zug zum Hauptbahnhof in Nagoya. Wieder habe ich meine Koffer in einem Schließfach verstaut bevor es losging um Nagoya zu erkunden. Ich bin gemütlich durch die Stadt gelaufen und habe mir das Schloss in Nagoya angeschaut. Es war wirklich klasse!

Später habe ich meine Koffer wieder geholt und bin zur Sharebase in Nagoya gelaufen. Die Sharebase ist wirklich ein interessanter Ort an dem junge Leute zusammen arbeiten und entspannen und dort können bis zu vier Gäste übernachten. Ich habe mich mit den Leuten dort schnell angefreundet und wir sind gemeinsam Okonomiyaki essen gegangen am Abend.

Und jetzt bin ich in Japan. Ich kann es nicht fassen.

Freitag, der 28. Juli 2017
von Kay Safonov
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Zurück nach Japan

Seid gestern ist es offiziell: Ich habe meine Abschlussprüfung im zweiten Semester Japanisch bestanden! Und das bedeutet ich muss im September nicht in die Nachprüfung und das wiederum bedeutet ich habe den ganzen September über keine Uni, was bedeutet dass ich im September zurück nach Japan kann. Und zwar für einen ganzen Monat. AAAAAAAAAAAAA.

Nach Japan zurück zu kehren war schon immer der Plan. Aber jedes Jahr aufs Neue rückte dieser Plan wieder in die Zukunft. „Ich muss mich erst mal auf die Schule konzentrieren“. „Ich muss erst mal umziehen und mich auf das Studium konzentrieren“. „Ich habe kein Geld dafür“. „Ich habe keine Zeit dafür“. Doch jetzt ist Schluss damit. Denn ich habe die Zeit, das Geld und vor allen Dingen: den Plan.

Mein Plan ist relativ simpel im Kern, so wie jeder gute Plan. Ich fliege am 5. September nach Japan, komme am 6. September in Japan an und schlage bei meiner Gastfamilie ein Basis-Lager auf. Was im Grunde nur bedeutet, ich bleibe dort ein paar Tage und lasse meine Koffer dort, denn ich möchte ihre Gastfreundschaft auch nicht überstrapazieren. Wenn ich nicht bei meiner Gastfamilie bin, dann düse ich mit einem JR Rail Pass durch das Land und couchsurfe mich durch die Städte. Außerdem möchte ich den Fuji besteigen. Und zwar bevor die Saison am 10. September vorbei ist. Und Ende des Monats steht dann Manamis Hochzeit an. AAAAAAAAAAAAA.

Mir ist klar dass ich im Augenblick nur rum träume. Aber hey, Leute, vielleicht werden Träume Wirklichkeit?

Samstag, der 15. Juli 2017
von Kay Safonov
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Rotary Orientation – Japan und Korea Austausch 2017/2018

Und schon ist es wieder Juli und die Orientation für die Outbounds die nach Japan und Korea gehen steht wieder an. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Letztes Jahr um diese Zeit war ich das erste mal in Bonn und habe mir die Universität hier angesehen und jetzt ist das zweite Semester schon fast wieder vorbei.

Dieses Wochenende ist auf jeden Fall die Orientation für alle Austauschschüler in Deutschland die im Austauschjahr 2017/2018 mit dem Rotary Youth Exchange nach Japan oder Korea gehen. Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich zum ersten mal an dieser Orientation teil genommen und zwar kurz bevor ich selbst nach Japan geflogen bin. Mittlerweile bin ich bereits das zweite Jahr in Folge als Rebound dabei und gebe mein Bestes den Outbounds und künftigen Gasteltern von Inbounds aus Japan und Korea weiter zu helfen.

Es ist wirklich eigenartig wieder im Kreis dieser Austauschschüler zu sein. Sie bringen eine Menge Schwung und Energie in mein Leben. Diejenigen, die gerade erst aus dem Ausland wieder gekommen sind, sind noch ganz aufgeregt und noch lange nicht wieder richtig in Deutschland angekommen. Die Gefühle, die sie haben, dass sie am liebsten wieder sofort zurück nach Japan/Korea fliegen wollen, kann ich immer noch gut nach voll ziehen. Es vergeht kein einziger Tag an dem ich nicht an Japan denke und mir wünsche, wieder zurückkehren zu können.

Auf der anderen Seite sind dann natürlich noch die Outbounds. Für manche von ihnen geht es in weniger als zwei Wochen schon ins Zielland und gerade auf dieser Orientation gibt es eine Menge Input für sie, dass sie entweder noch mehr begeistert oder sie einschüchtert. Sie stehen gerade erst ganz am Anfang ihrer rotarischen Reise und ich wünsche ihnen alles, alles Gute für ihren Austausch. Hoffentlich werden sie viele schöne Erfahrungen machen und viel lernen.

Die Community die sich in den letzten Jahren zwischen den Austauschschülern, die nach Japan und Korea gegangen sind, ist unglaublich. Wir sind inzwischen mehr als nur Freunde, wir sind eine kleine Familie, die jedes Jahr ein bisschen größer wird. Und ich bin so dankbar, von so großartigen Menschen umgeben zu sein und hoffe, ich kann auch ein kleines Stück zu dieser Community beitragen.

Sonntag, der 20. November 2016
von Kay Safonov
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Buchreihe: Ein Leben für das Spiel – All for the Game

All for the Game ist eine Buchreihe von Nora Sakavic aus den Jahren 2013 und 2014. Es handelt sich um eine Trilogie. Das erste Buch der Reihe heißt The Foxhole Court, das Zweite The Raven King und das Letzte The King’s Men. Nachdem ich Anfang des Jahres die lebensverändernde Buchreihe The Raven Boys von Maggie Stiefvater gelesen habe, saß ich eine Weile lang in einem Vakuum und habe nach einer neuen Buchreihe gesucht die mich wirklich fesselt – All for the Game hat das geschafft.

Protagonist der Buchreihe ist Neil Josten, ein Ausreißer der nur noch eine Sache hat, für die er leben kann – Exy. Exy ist eine fiktionale Sportart und am besten zu beschreiben als eine Mischung aus Rugby und American Football. Es klingt auf jeden Fall sehr brutal und als ob es einen ordentlichen Adrenalinschub verursachen kann. Neil ist ursprünglich zusammen mit seiner Mutter vor seinem Vater geflohen der ein großer Name in der organisierten Kriminalität ist und nur der Metzger genannt wird. Nachdem seine Mutter gestorben ist, versucht er einen Neuanfang an einer Highschool in Millport und tritt dem örtlichen Exy Team bei. Das Team selbst ist zwar nicht erfolgreich, aber Neils Begabung für Exy bleibt nicht unentdeckt. Er wird eingeladen den Palmetto State University Foxes beizutreten und damit in der Class I Liga zu spielen. Er nimmt an, auch wenn dieser Ruck in die Öffentlichkeit im Grunde sein Todesurteil ist, denn eigentlich ist er ja auf der Flucht.

aftg

Als ich The Foxhole Court angefangen habe zu lesen, hat es schon eine ganze Weile gedauert, bis ich mich wirklich begeistern konnte. Die Buchreihe wurde mir, wie gesagt, vorgeschlagen nachdem ich The Raven Boys beendet hatte und auch wenn die Buchreihen sich ähnlich sind, sind sie doch ganz anders geschrieben. The Raven Boys legt einen großen Wert auf Ästhetik und Maggie Stiefvater hat einfach eine unglaubliche Begabung zum Beschreiben – sie kann einen Augenblick in die Unendlichkeit ziehen und es stört mich nicht. All for the Game wiederum wird vor allen Dingen durch die Dialoge getrieben und voran gebracht und durch die Figuren. Erst als ich die Figuren langsam kennen gelernt hatte beim lesen von The Foxhole Court und angefangen habe etwas für sie zu empfinden und sie anzufeuern, habe ich angefangen die Bücher zu verschlingen.

Die Figuren sind alle Wracks. The Palmetto State Foxes sind dafür bekannt problematische Jugendliche aufzunehmen und ihnen noch eine Chance zu geben. Alkohol- und Drogensucht sind noch das harmloseste Problem der Füchse, dazu kommen noch Sachen wie extreme Homophobie, Mord, Totschlag, Missbrauch, Vergewaltigung und die ganze Geschichte mit dem Ableger der japanischen Mafia der einen Teil der Füchse verfolgt. Die Bücher sind auch sehr explizit geschrieben, also sollte man davon die Finger lassen wenn man einen schwachen Magen hat. Neils Vater wird nicht umsonst der Metzger genannt. Er macht seinem Namen alle Ehre. In den ersten beiden Büchern ist vor allem Gewalt explizit beschrieben und im dritten Buch kommen dann noch explizite sexuelle Handlungen dazu.

Die Figuren haben auf jeden dafür gesorgt, dass ich die Buchreihe verschlungen habe und jetzt bereits ein zweites Mal verschlinge und wieder in mich aufsauge. Ich habe auch sehr das Bedürfnis die ganzen Füchse in Decken zu huscheln und ihnen heiße Schokolade zu machen und für sie zu kämpfen. Ich habe mich selbst am Ende als Fuchs gefühlt. Als Teil der Familie. Und deswegen mag ich die Buchreihe so sehr, weil sie einen mitreißt und eine Zuflucht liefert (gewissermaßen). Und ich mag wie unterschiedlich die Füchse sind und das Exy kein reiner Frauen- oder Männersport ist und die Spiele sind auch echt spannend geschrieben und ich habe das Bedürfnis Exy zu spielen. Man muss auch kein Sportfan sein um sich für die Buchreihe begeistern zu können, weil, wie gesagt, die ganze Reihe vor allem durch die Figuren getrieben wird.

Alles in Allem kann ich die Buchreihe also unter Vorbehalt weiter empfehlen, denn sie ist echt fesselnd aber eben auch sehr explizit. Es lohnt sich auf jeden Fall mal rein zu lesen. Meines Wissens nach gibt es die Buchreihe noch nicht auf Deutsch, aber die Kindle-Version ist auf Amazon echt spottbillig. Ich glaube die Bücher kosten jeweils ein bis zwei Euro maximal. Manchmal gibt es sie auch kostenlos. Die Sprache ist jetzt auch nicht extrem komplex, also man muss dafür nicht fließend Englisch verstehen können. Abschließend hier noch ein Fan-Trailer für die Buchreihe von YouTube:

 

Sonntag, der 13. November 2016
von Kay Safonov
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Zweiter Korea-Tag Bochum

Am 12. November fand an der Ruhr-Universität in Bochum der zweite Korea-Tag des Landesspracheninstituts mit Unterstützung der Korea Foundation statt und ich bin mit ein paar Freunden hingegangen. Der Weg nach Bochum war nicht so weit, wir sind zwei Stunden mit dem Zug gefahren und dann noch ein bisschen mit der Stadtbahn durch die Gegend getuckert und den Rest gelaufen. Ein bisschen kalt war es. Das war mein erstes Mal in Bochum und wie es sich gehört muss ich natürlich sagen: unsere Uni ist schöner. 

Das Programm klang wahnsinnig interessant und ich hatte mich auch schon ziemlich auf den Tag gefreut. Es gab Mini-Sprachkurse, Märchenstunden, Noraebang, Taekwondo-Vorstellungen und Workshops zu den Themen Tee-Zeremonie, traditionelle koreanische Musik, Trommeln, Dance Dance Revolution, Hanbok (mit Anprobe), Kalligraphie und K-Pop Dance. Leider war es dann nicht ganz so ideal, wie wir es uns erhofft hatten. Das Problem lag einfach in dem Anlauf: es waren einfach viel zu viele Menschen da und es war alles ziemlich unorganisiert. In viele der Workshops kam man gar nicht mehr rein, weil es schon zu voll war und in den Fluren musste man auch immer wieder auf Kuschelkurs gehen.

Ein weiteres kleines Problem war die große Anzahl an K-Pop Fans die nur K-Pop Fans sind und es in die Welt hinaus posaunen müssen. Wir wurden mehr als nur einmal überrannt. Außerdem hat man oft das Gefühl, dass sie die koreanische Kultur auf K-Pop begrenzen und das ist uncool. Sehr uncool. Besonders bei so einem Event. Die Hälfte der Leute hat sich benommen, als sei das ein BTS Konzert gewesen oder so. Eine Sache dazu noch: Zu K-Pop tanzen und singen in der U-Bahn klingt vielleicht lustig, belästigt aber nur die anderen Fahrgäste.

Wir hatten aber trotzdem Spaß, weil wir einander hatten. Außerdem kamen wir ja doch dazu einige Sachen auszuprobieren. Wir haben uns die Teezeremonie angeschaut und auch gekostet (und es war sehr gut), haben ein bisschen bei Dance Dance Revolution mitgemacht (was lustig war, weil Orange Caramel Lipstick und G-Dragon Heartbreaker), haben koreanische Zungenbrecher aufgesagt und dafür Poster bekommen, haben jede Menge Infomaterial vom koreanischen Ministerium für Tourismus bekommen und leckeres koreanisches Essen gegessen. Alles in Allem war es ganz ok. Ich hatte vor allem gute Gesellschaft.